KOLT Magazin Kolumne "PETRA & ..."

  Idomeni  - Text from Nils Loeffel  "Zwischen zwei Getränken unterhalten wir uns in Sprachen die wir nicht sprechen. Versuchen zu verstehen, was den Mensch zur Zerstörung treibt. Wir stehen da, mit offenen Armen und niemand rennt hinein. Die Bilder der Menschen auf der Flucht ziehen vor unseren Augen vorbei und wir weinen. Wir sind darauf nicht vorbereitet worden, so scheint es. Unsere Träume waren immer gross. Wir sprechen von Impact und Output und ziehen Bilanz. Aber das ist mehr als gross. Hier reichen 140 Zeichen nicht. Wir bleiben vor flimmernden Bildschirmen stehen und versuchen in Worte zu fassen was passiert. Wir schauen in die Augen der Leute und sehen unser Spiegelbild. Bomben explodieren und Menschen sterben in Städten die wir besucht haben. Das können wir nicht. Wir twittern. Wir wollen die Bilder vergessen...."

Idomeni - Text from Nils Loeffel

"Zwischen zwei Getränken unterhalten wir uns in Sprachen die wir nicht sprechen. Versuchen zu verstehen, was den Mensch zur Zerstörung treibt. Wir stehen da, mit offenen Armen und niemand rennt hinein. Die Bilder der Menschen auf der Flucht ziehen vor unseren Augen vorbei und wir weinen. Wir sind darauf nicht vorbereitet worden, so scheint es. Unsere Träume waren immer gross. Wir sprechen von Impact und Output und ziehen Bilanz. Aber das ist mehr als gross. Hier reichen 140 Zeichen nicht. Wir bleiben vor flimmernden Bildschirmen stehen und versuchen in Worte zu fassen was passiert. Wir schauen in die Augen der Leute und sehen unser Spiegelbild. Bomben explodieren und Menschen sterben in Städten die wir besucht haben. Das können wir nicht. Wir twittern. Wir wollen die Bilder vergessen...."

  Leben um zu pumpen  - Text from Pablo Haller  "Die Muckibude ist der Tempel des gestählten Körpers. Muckis, Muckis. Heyhey, ciaociao! Er sieht, sie sieht ihn. Saft, Saft gibt mir Saft. Die alten Griechen haben ja schon. Sparta, ja. Sparta! Muckis, Muckis. Proteine, Steroide, Muckifuk. Rauf & runter, eins & zwei & drei & eins. Trip & trap & auf & ab. Muckis zu Muckis, Saft zu Saft. Eins & zwei & drei & eins. Martin pumpt. Im orangen Schlüpfer. Muckibude! Da musste hin ... wennte was werden willst. Wennte die Weiber willst. Wennte willst, dass sie dich wollen, die Weiber. Workin, workout. Mein Körper ist mein Tempel. Martin ölt seine Muckis ein. Muckis, Muckis. Sie glänzen so schön im grellen Licht, das jedes von ihnen akribisch erfasst. Ein Buchhalter des Erfolgs. Ein gestrenger Dompteur der Leistung. Erfolg durch Leiden, Leiden zum Erfolg. Beiss durch....."

Leben um zu pumpen - Text from Pablo Haller

"Die Muckibude ist der Tempel des gestählten Körpers. Muckis, Muckis. Heyhey, ciaociao! Er sieht, sie sieht ihn. Saft, Saft gibt mir Saft. Die alten Griechen haben ja schon. Sparta, ja. Sparta! Muckis, Muckis. Proteine, Steroide, Muckifuk. Rauf & runter, eins & zwei & drei & eins. Trip & trap & auf & ab. Muckis zu Muckis, Saft zu Saft. Eins & zwei & drei & eins. Martin pumpt. Im orangen Schlüpfer. Muckibude! Da musste hin ... wennte was werden willst. Wennte die Weiber willst. Wennte willst, dass sie dich wollen, die Weiber. Workin, workout. Mein Körper ist mein Tempel. Martin ölt seine Muckis ein. Muckis, Muckis. Sie glänzen so schön im grellen Licht, das jedes von ihnen akribisch erfasst. Ein Buchhalter des Erfolgs. Ein gestrenger Dompteur der Leistung. Erfolg durch Leiden, Leiden zum Erfolg. Beiss durch....."

  Risse  - Text from Ivona Brdjanovic  "Wenn ich jemanden berühre mit meinem Finger oder meiner Fingerspitze, meiner Hand oder meinem Mund... Ich bin die halbe Berührung und mein Gegenüber die andere Hälfte dieser Berührung. – Komm mir nicht zu nahe, lass das! Das sagt sie mir jetzt, davon ist sie überzeugt, in der  Mars Bar , im Raucherraum. Das sagt sie jetzt, weil sie mich treffen wollte und ein Gespräch brauchte. Ich denke, dass ich höchstens noch ein Viertel von ihr bin. Am Tisch neben uns treffen sich englischsprachige Leute, offensichtlich alle aus dem gleichen Betrieb, draußen bellt ein angeketteter Hund gegen den Wind. Sie hat eine lärmende Stimme und platziert Geräusche, wo andere Worte benutzen. Sie sagt: – Das ist so bäh! Oder: – Du bist so wäh! – Was jetzt passiert ist so eh!...."

Risse - Text from Ivona Brdjanovic

"Wenn ich jemanden berühre mit meinem Finger oder meiner Fingerspitze, meiner Hand oder meinem Mund... Ich bin die halbe Berührung und mein Gegenüber die andere Hälfte dieser Berührung. – Komm mir nicht zu nahe, lass das! Das sagt sie mir jetzt, davon ist sie überzeugt, in der Mars Bar, im Raucherraum. Das sagt sie jetzt, weil sie mich treffen wollte und ein Gespräch brauchte. Ich denke, dass ich höchstens noch ein Viertel von ihr bin. Am Tisch neben uns treffen sich englischsprachige Leute, offensichtlich alle aus dem gleichen Betrieb, draußen bellt ein angeketteter Hund gegen den Wind. Sie hat eine lärmende Stimme und platziert Geräusche, wo andere Worte benutzen. Sie sagt: – Das ist so bäh! Oder: – Du bist so wäh! – Was jetzt passiert ist so eh!...."

  Könnte es nicht sein, dass sie sich lieben?  - Text from Donat Blum  "Wegen den Trannies setzten wir uns am White Beach in die Sunset Bar. Jeden Abend Trannies- und Feuershow; am besten hier, hatte man uns auf der Insel gesagt, auf der wir die letzten Tage der Philippinenreise verbrachten. „Oooh, it’s the best here“, sagte die Kellnerin, die sich als Mia vorstellte. „The only bar with only trannies working“, rief sie in den höchst möglichen Tönen und liess eine in Plastik geschweisste Cocktailkarte auf den Strandtisch sausen. „You brothers?“, fragte sie und zeigte auf uns mit einem Gesicht wie aus einer Telenovela. Wir lachten. „Oooooh, cute boys!“ Am Vorabend hatten wir noch in den Bergen in einem Dorf an einem Fussballplatz gesessen. Unermüdlich rannten die Kinder hinter den Gittern hin und her. Ich musste nicht lange überlegen, wer von den Kindern Joel war, wer ich....."

Könnte es nicht sein, dass sie sich lieben? - Text from Donat Blum

"Wegen den Trannies setzten wir uns am White Beach in die Sunset Bar. Jeden Abend Trannies- und Feuershow; am besten hier, hatte man uns auf der Insel gesagt, auf der wir die letzten Tage der Philippinenreise verbrachten. „Oooh, it’s the best here“, sagte die Kellnerin, die sich als Mia vorstellte. „The only bar with only trannies working“, rief sie in den höchst möglichen Tönen und liess eine in Plastik geschweisste Cocktailkarte auf den Strandtisch sausen. „You brothers?“, fragte sie und zeigte auf uns mit einem Gesicht wie aus einer Telenovela. Wir lachten. „Oooooh, cute boys!“ Am Vorabend hatten wir noch in den Bergen in einem Dorf an einem Fussballplatz gesessen. Unermüdlich rannten die Kinder hinter den Gittern hin und her. Ich musste nicht lange überlegen, wer von den Kindern Joel war, wer ich....."

  Postenlauf  - Text from Lisa Christ  "Leute hören ein Leben lang nicht damit auf, andere auf ihre Unvollkommenheit hinzuweisen. Je weniger zufrieden man mit sich selbst ist, desto eher muss man andere herabsetzen, um den eiegenen Status zu bestätigen. Aber die Diffamierung aufgrund unzureichenden Alters macht irgendwann anderen hanebüchenen Formen Platz, denen man mit zunehmender Erfahrung (zum Glück und mit Grossmut) nicht mehr so viel Gewicht beimessen muss. Irgendwann hören Mitmenschen nämlich damit auf, einem lächelnd und mit allwissender Miene zu erzählen, man sei noch jung. Nicht, dass es mir fehlte - war doch der Hinweis auf das (tatsächlich) junge Alter aus der damaligen Sicht stets eine an Beleidigung grenzende Betonung meiner nicht vorhandenen Vollwertigkeit- aber ich komme nicht umhin, mich zu wundern, wann es aufgehört hat...."

Postenlauf - Text from Lisa Christ

"Leute hören ein Leben lang nicht damit auf, andere auf ihre Unvollkommenheit hinzuweisen. Je weniger zufrieden man mit sich selbst ist, desto eher muss man andere herabsetzen, um den eiegenen Status zu bestätigen. Aber die Diffamierung aufgrund unzureichenden Alters macht irgendwann anderen hanebüchenen Formen Platz, denen man mit zunehmender Erfahrung (zum Glück und mit Grossmut) nicht mehr so viel Gewicht beimessen muss. Irgendwann hören Mitmenschen nämlich damit auf, einem lächelnd und mit allwissender Miene zu erzählen, man sei noch jung. Nicht, dass es mir fehlte - war doch der Hinweis auf das (tatsächlich) junge Alter aus der damaligen Sicht stets eine an Beleidigung grenzende Betonung meiner nicht vorhandenen Vollwertigkeit- aber ich komme nicht umhin, mich zu wundern, wann es aufgehört hat...."